Venenerkrankungen

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Definition

In den westlichen Industrieländern leidet in etwa die Hälfte der Bevölkerung an verschiedenen Formen einer venösen Insuffizienz. Bis zu 25% haben klassische Krampfadern – was das Krampfaderleiden zur Volkskrankheit Nr. 1 macht. Der Stellenwert dieses häufig auftretenden Krankheitsbildes wird nach wie vor unterschätzt, vor allem die Folgen in der Zukunft.

Diagnose

Wie entstehen Krampfadern? Krampfadern entstehen an den Beinen als Folge einer Bindegewebsschwäche, die häufig genetisch bedingt ist. Die Venen haben die Aufgabe, das Blut entgegen der Schwerkraft Richtung Herz zu transportieren. Eine entscheidende Funktion haben hierzu die Venenklappen. Wenn diese nicht mehr richtig schließen, erhöht sich der venöse Druck im Bein – zunächst im oberflächlichen Venensystem. Vor allem ist die sogenannte V. saphena magna betroffen, die an der Innenseite des Beines vom Innenknöchel bis zur Leiste verläuft oder die V. saphena parva mit Zugrichtung vom Außenknöchel zur Kniekehle. In fortgeschrittenen Stadien können diese erkrankten Venen fingerdick hervortreten mit Ausbildung von Konvoluten – auch „Venenknäuel“ genannt.

Wie werden Krampfadern festgestellt? Zu Beginn jeder Untersuchung steht natürlich das Patientengespräch, in dem wir uns nach der Krankengeschichte erkundigen: Welche Beschwerden haben Sie, wann sind die Krampfadern zum ersten Mal aufgetreten? Liegt eine erbliche Veranlagung vor? Anschließend erfolgt die Untersuchung am stehenden Patienten mit Inspektion der Beine. Nach weiteren diagnostischen Untersuchungen, die völlig schmerzlos sind, wie beispielsweise der Lichtreflexionsrheographie und der Farbduplexsonographie wird dann die Diagnose gestellt und der Befund mit dem Patienten gemeinsam besprochen.

Behandlung

Was sind die ersten Beschwerden von Krampfadern? Sehr häufig werden klassische Stauungsbeschwerden geschildert. Weiter können Juckreiz und nächtliche Wadenkrämpfe durch das Venenleiden verursacht werden.

Muss jede sichtbare Krampfader operiert werden? Sicherlich nein. Im Anfangsstadium sind Sie Ihr eigener Doktor. Allgemeinmaßnahmen wie ausreichende Bewegung, Venengymnastik, kalte Güsse in der warmen Jahreszeit, sind völlig ausreichend. Venenfreundliche Sportarten sind zum Beispiel Radfahren, Schwimmen oder Nordic Walking. Nur exzessives Krafttraining, wobei ein stark erhöhter Druck auf die Venenklappen vor allem im Becken- und Leistenbereich einwirkt, sollte vermieden werden. Gegen normale Übungen im Fitnessstudio ist natürlich nichts einzuwenden. Diese führen sogar zu einer Stärkung des Bindegewebes. Es gibt eine einfache Regel: schlecht sind sitzen und stehen – gut sind laufen und liegen! 

Wie werden Krampfadern behandelt? Am Anfang steht natürlich immer die konservative Behandlung – also ohne Operation. Neben den geschilderten Allgemeinmaßnahmen steht dann als nächste Stufe das Tragen eines Kompressionsstrumpfes. Dieser hat die Aufgabe, die defekten Venenklappen von außen zu stabilisieren und somit den Rückstrom des venösen Blutes zum Herzen zu unterstützen. Ergänzend können vor allem im Anfangsstadium auch pflanzliche Produkte eingenommen werden, wie Rosskastanienextrakte oder roter Weinlaub. Diese natürlichen Stoffe führen zu einer Stabilisierung der Gefäßwände und wirken somit Schwellungen entgegen. Die Verödungsbehandlung stellt ebenfalls eine wichtige Therapieform dar. Hierbei wird ein Medikament entweder in flüssig- oder in schaumform in die Venen eingebracht, die dann zu einem Verschluss des kranken Gefäßes führen soll. Dieses wird dann von der Natur abgebaut. Wenn vor allem die Stammvenen mit entsprechenden Beschwerden oder möglichen Komplikationen betroffen sind, bietet sich die Operation an.

Operation

Welche Operationsmöglichkeiten gibt es? In der Hautmedizin Bad Soden wird ein breites Spektrum der modernen Venenchirurgie angeboten.

Endoluminale Radiowellentherapie: Bei diesem Verfahren wird ein Katheter in die erkrankte Stammvene über eine kleine Punktionsstelle eingebracht. Der Katheter wird dann bis zur Leiste vorgeschoben mit anschließender Applikation von Energie über einen Hochfrequenzgenerator. Die so freigesetzten Mikrowellen führen dann zu einer Verschweißung der Venenwand.

Invaginationsstripping: Invaginationsstripping ist nach wie vor die Standardtherapie zur Behandlung der erkrankten Vene. Hierbei ist in der Regel ein kleiner Schnitt in der Leiste notwendig, um dann das erkrankte Gefäß zu entfernen. Anschließend werden die sichtbaren Krampfadern über kleine Stichinzisionen, also winzige Schnitte, mit dem Skalpell in mikrochirurgischer Technik entfernt. Diese Wunden können dann problemlos mit einem Klammerpflaster verschlossen werden.

Miniphlebektomie: Eine isolierte Seitenastvarikose oder Perforansinsuffizienz wird über Stichinzisionen in mikrochirurgischer Technik operiert. Diesen Eingriff kann man sehr häufig in Lokalanästhesie durchführen. Anschließend werden die kleinen Wunden mittels Steri-Strips verschlossen. Dieses Verfahren ist eine annähernd narbenfreie Operationsmethode.

Komplikationen des unbehandelten Venenleidens

Spontane Varizenblutung: Dabei kommt es durch den erhöhten Venendruck zu einem spontanen Platzen von kleinsten, erkrankten Venen, die aber zu einem erheblichen Blutverlust mit allen Folgeerscheinungen führen können.

Stauungsdermatitis: Bei den Stauungsekzemen (juckender Ausschlag) entstehen oft großflächige, nässende, juckende Hautausschläge, bedingt durch den gestörten venösen Abfluss der Krampfadern. Durch das oft unbewusste Kratzen der Patienten in der Nacht können sich diese Kratzeffloreszenzen sekundär entzünden, mit der Folge einer Infektion.

Venenentzündungen: Durch den deutlich reduzierten venösen Blutstrom kann es zu einer Gerinnung des Blutes im oberflächlichen Venensystems kommen. Die Folge ist eine zunächst oberflächlich bestehende Thrombose, die aber auch durch Querverbindungen in das tiefe Venensystem, sogenannte Perforansvenen, zu einer tiefen Beinthrombose führen kann.

Durch eine jahrelang bestehende Krampfadererkrankung treten Haut- und Gewebeschäden auf, vor allem im Bereich des Innenknöchels. Durch die Druckerhöhung können z.B. typischerweise braune Flecken, sogenannte Hyperpigmentierungen auftreten, aber auch lederartige Veränderungen der Haut im Sinne einer Dermatolipofasciosklerose. In fortgeschrittenen Stadien tritt dann das offene Bein, das sogenannte Ulcus cruris auf.

Leitveneninsuffizienz durch Schädigung des tiefen Venensystems: Die Druckerhöhung bildet sich zunächst im oberflächlichen Venensystem ab. Bei unbehandelten Krampfadern kann dann aber auch durch eine Schädigung des Klappenapparates in den tiefen Venen eine sogenannte Leitveneninsuffizienz auftreten. In diesem Stadium sind die therapeutischen Möglichkeiten dann beschränkt. Häufig müssen die Patienten einen Kompressionsstrumpf langfristig tragen.

Tiefe Beinvenenthrombose: Krampfadern können auch bei Schädigung des tiefen Venensystems mit permanenter Druckerhöhung zu einer Thrombose führen. Hier kommt es zu einer Gerinnung des Blutes in den tiefen Venenabschnitten mit der Gefahr der Ausbildung einer Lungenembolie. Durch eine adäquate Therapie der Varikosis sind in der Regel diese Komplikationen zu vermeiden.

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