Lipödem

Definition

Beim Lipödem handelt es sich um eine Vermehrung des Unterhaut-Fettgewebes an den Beinen. Bei 20-30% der Patientinnen sind auch die Arme betroffen. Die Ursache ist unbekannt. Man vermutet eine genetisch bedingte Veränderung in dem Fettgewebe, da die Erkrankung häufiger unter blutsverwandten Frauen beobachtet wird. Auch ein Zusammenhang mit den weiblichen Geschlechtshormonen wird angenommen, da ausschließlich Frauen betroffen sind und erste Anzeichen des Lipödems mit der Pubertät auftreten. Auch kann es zu einer Verschlechterung bei Pilleneinnahme oder Schwangerschaft kommen.Charakteristisch sind Fettpolster oberhalb der Gelenke; Hände und Füße sind dabei schlank und nicht betroffen. In frühen Stadien macht das Lipödem keine Beschwerden, später treten jedoch zunehmend Schmerzen, Druckschmerzhaftigkeit, Schwellungsneigung und Neigung zu Hämatomen (blauen Flecken) auf. In späteren Stadien kann ein Lymphödem hinzukommen, man nennt es dann ein Lipolymphödem.

Diagnose

Die Diagnose wird durch den fachkundigen Arzt durch die körperliche Untersuchung gestellt. Wichtig ist dabei, das Lipödem von einem Lymphödem oder Übergewicht zu unterscheiden. Röntgen-, Ultraschall- oder andere Untersuchungsmethoden sind in der Regel nicht erforderlich. Ergänzend ist jedoch eine Ultraschall-Untersuchung der Venen sinnvoll, um eventuell bestehende Krampfadern zu erkennen. Diese müssten vor einer Liposuktion behandelt werden.

Behandlung

Die Behandlung mittels Lymphdrainage und Kompressionsstrümpfen hilft nur gegen das Ödem, das heißt der gestaute Wasseranteil im Fettgewebe wird reduziert. Manchen Patientinnen hilft diese sogenannte komplexe physikalische Entstauungstherapie (KPE), allerdings nur für eine kurze Zeit und nur solange, wie sie regelmäßig angewendet wird. Gegen das vermehrte krankhafte Fettgewebe hilft sie leider nicht. Auch durch Diäten, bewusste Ernährung oder sportliche Aktivität lässt es sich nicht reduzieren.

Eine dauerhafte Verminderung des Lipödems ist nur durch eine Fettabsaugung (Liposuktion) möglich. Fettabsaugungen werden seit etwa 30 Jahren durchgeführt. Durch Verbesserung der Technik wird seit 15 Jahren eine bewährte, sehr risikoarme Methode der Fettabsaugung angeboten. Diese Methode ist allerdings nicht geeignet, allgemeine Fettleibigkeit oder Übergewicht zu behandeln.

Mit welcher Methode wird die Liposuktion durchgeführt? Die Liposuktion mittels vibrierender Mikrokanülen in Tumeszenz-Lokalanästhesie hat sich allgemein als die Gewebe-schonendste Methode etabliert und wird auch in unserer Praxis angewendet. Dabei werden Fettzellen mit einer speziellen nur 4mm dünnen, vibrierenden Hohlnadel dauerhaft abgesaugt. Blutgefäße, Lymphgefäße und Nerven werden dabei nicht verletzt. Auch gelingt so, die Körperform zu modellieren. Obwohl die Fettabsaugung in Italien erfunden wurde und dann zunächst in Frankreich weiterentwickelt wurde, gelang der entscheidende Durchbruch erst durch eine Idee des amerikanischen Hautarztes J. Klein, der die Methode der Tumeszenz-Liposuktion erstmals 1987 beschrieb. Er führte die Operation nicht mehr in Vollnarkose durch, sondern in einer speziellen örtlichen Betäubung.

Tumeszenz-Lokalanästhesie: Der Begriff Tumeszenz leitet sich aus dem lateinischen „tumescere“ (= anschwellen ) ab. Dr. Klein stellte eine Mischung aus Kochsalzlösung, normalem örtlichen Betäubungsmittel (Lokalanaesthesie), Bicarbonat und stark verdünntem Adrenalin her, die zur Minimierung des Blutungsrisikos und zur Aufweichung des Fettgewebes führt („nasse Methode der Absaugung“). Nach Betäubung der betreffenden Stellen wird die Tumeszenzlösung mit einer Nadel in die Fettpolster eingespritzt. Dieser Vorgang ist so gut wie schmerzfrei, wird jedoch als Druck im Gewebe wahrgenommen. Je nach Umfang der zu behandelnden Körperflächen werden maximal 6 Liter Flüssigkeit eingespritzt. Nach einer Einwirkzeit von 60 bis 90 Minuten ist dann eine „Aufweichung“ und vollständige Betäubung des Gewebes erreicht.
Diese Form der Betäubung stellt seit 1987 die erfolgreiche Grundlage für Fettabsaugungen dar. Weltweit wurden Zehntausende dieser Operationen durchgeführt. Eine amerikanische Untersuchung über die Risiken der Methode hat 1995 die Sicherheit und Zuverlässigkeit der Tumeszenz-Lokalanaesthesie bewiesen. Auf die Risiken wird im Folgenden noch eingegangen. Neben den genannten Punkten bietet die Tumeszenz-Lokalanaesthesie einen weiteren großen Vorteil. Ein wacher Patient kann während der Operation leicht seine Körperlage verändern, was für den Operateur sehr hilfreich ist. Manche Körperkonturen werden überhaupt erst durch den Lagewechsel beurteilbar. Die Liposuktion belastet den Patienten so wenig, dass es sogar möglich ist, während der Operation aufzustehen, um den Einfluss der Schwerkraft sichtbar zu machen. Auch diese wesentliche Verbesserung war früher in Vollnarkose nicht möglich.

Operation

Ideal geeignet sind Herz- und Kreislauf-gesunde Patientinnen mit guter Hautelastizität. Eine Altersgrenze gibt es nicht, jedoch sind die Ergebnisse besser, je jünger die Patientin ist. Wenn ausgedehnte Körperregionen behandelt werden sollen, muss gegebenenfalls in mehreren Schritten vorgegangen werden. Näheres sollten Sie besser im persönlichen Gespräch klären. Auch über sonstige Erkrankungen und frühere Wundheilungsstörungen müssen Sie uns informieren. Störungen der Blutgerinnung verbieten die Operation.

Die Fettabsaugung wird in der Fachsprache als Liposuktion bezeichnet (lipos – griechisch für Fett und sugere – lateinisch für saugen). Die Hohlnadeln, mit denen die Absaugung am besten gelingt, haben folgende Merkmale: Zur Vermeidung von Verletzungen ist die Spitze geschlossen und stumpf. Über etwa 5 cm Länge sind seitlich 24 kleine runde Öffnungen mit stumpfem Rand angebracht, durch welche das Fett abgesaugt wird. Zusätzlich vibriert die Nadel (Vibrationsmethode), was Missempfindungen und Gewebsverletzungen nochmals reduziert. Endoskopisch (durch Gewebespiegelung) konnte sicher nachgewiesen werden, dass so der bindegewebige Halteapparat der Haut praktisch unverletzt bleibt. Gleiches gilt für die kleinen Blutgefäße, welche die Haut versorgen. Der Chirurg kann schrittweise die gewünschte Schichtdicke des verbleibenden Fettes modellierend bestimmen. Es wird niemals die gesamte Fettschicht entfernt.

Früher kam es bei Anwendung der „trockenen“ Technik mit scharfen Saugnadeln zu teilweise erheblicher Blutergussbildung, zu Unregelmäßigkeiten der Hautoberfläche durch Verletzung des bindegewebigen Halteapparates der Haut und zur Verletzung von Hautnerven mit der Folge von Gefühlsstörungen an der Haut. Seit der Entdeckung von Dr. Klein treten solche Probleme nur äußerst selten auf. Nach Eintritt der Betäubung werden an geeigneter Stelle 3 bis 6 Minischnitte von etwa 4 Millimeter Länge pro behandelter Körperregion gelegt, um die Saugkanüle einzufahren. Dadurch kann die Problemzone aus verschiedenen Richtungen fächerförmig bearbeitet und geformt werden. Im Gegensatz zu früher werden alle Schichten der Problemzone erfasst. Bei der abgesaugten Flüssigkeit handelt es sich um eine Mischung aus Fettgewebe, Tumeszenzlösung und minimalen Blutbeimengungen. Weil die Tumeszenzlösung teilweise im Gewebe gelöst ist, kann sie durch die Operation nicht vollständig entfernt werden. Der verbleibende Rest fließt in den Stunden nach dem Eingriff über die Miniwunden wieder ab. Die Dicke der verbliebenen Fettschicht lässt sich jederzeit einfach prüfen. Nach Erreichen der gewünschten Form erfolgt der Wundverschluss mit Spezialpflastern. Fäden brauchen später deshalb nicht entfernt werden.

Verringert die Liposuktion die Beschwerden des Lipödems? Nach bisherigen Untersuchungen bessert die Liposuktion die Beschwerden deutlich. Vor allem die Schmerzhaftigkeit ist bereits wenige Tage nach der OP geringer. Eine Verminderung der Schwellungsneigung und Hämatombildung konnte in einer aktuellen Studie ebenso nachgewiesen werden.

Wie reagiert die Haut auf die Absaugung? Bei der „trockenen Technik“ der Absaugung kam es nicht selten zu Unregelmäßigkeiten der Hautoberfläche in Form von Dellenbildungen. Durch das ausschließliche Absaugen der tiefen Fettgewebsschichten konnte es auch zu einem Überhängen der verbliebenen Fettpolster im Stehen kommen. Beide unerwünschten Folgen sind bei der „nassen Methode“ sehr selten. Neben der Änderung der Körperform tritt ein weiterer wesentlicher Effekt an der Haut selber ein: Bei der Absaugung werden mit der stumpfen Nadel sehr viele kleine Tunnel aus verschiedenen Richtungen in allen Schichten des Fettgewebes angelegt. Neben der absichtlich belassenen Restfettschicht besteht das Unterhautgewebe dann nur noch aus dem sehr wichtigen Gerüst der Haltefasern. Die Entfernung der Fettdepots lässt den bindegewebigen Halteapparat der Haut schrumpfen. Es kommt daher nicht zur Entstehung von schrumpeliger überflüssiger Haut, sondern zu einer deutlichen Straffung der Haut in den Wochen und Monaten nach der Operation. Dieser Effekt führt auch zu einer Besserung bei Cellulite.

Die endgültigen Spannungsverhältnisse der Haut sind aus biologischen Gründen erst nach etwa 12-18 Monaten erreicht. Obwohl die Liposuktion meistens zu einer eindeutig verbesserten Figur führt, ist es nicht realistisch, die Traumfigur oder allgemeine Gewebekonsistenz eines Jugendlichen zu erwarten. Bei Anti-Cellulite Behandlung ist eine Verbesserung der Hautstruktur möglich. Sie kann aber nicht garantiert werden, da es sehr verschiedene Hauttypen gibt, die unterschiedlich auf die Behandlung reagieren.

Kann das Lipödem nach einer Absaugung wiederkommen? Die Entfernung der Fettzellen ist dauerhaft, jedoch kann nicht das gesamte, vom Lipödem betroffene Fettgewebe entfernt werden – das heißt, die verbliebenen Lipödem-Zellen können weiterhin eine Zunahme des Fettgewebes bewirken. Jedoch geschieht das nach bisherigen Erfahrungen sehr sehr langsam, da deutlich weniger krankhaftes Fettgewebe vorhanden ist. Eine zweite Liposuktion kann in Einzelfällen nach 8-12 Jahren durchgeführt werden.

Risiken

Jede Operation ist mit einem Risiko verbunden. Durch die beschriebene Verbesserung der Methode konnten die Risiken entscheidend gesenkt werden. Auch wenn die Komplikationsrate jetzt im Bereich 4:1000 liegt, wird es immer ein Restrisiko geben.


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